Kreuzzeichen
Beim Eingang einer katholischen Kirche steht traditionell der Weihwasserständer, meist aus Stein oder Metall gefertigt, oft schlicht, manchmal kunstvoll gestaltet. Gläubige tauchen dort ihre Finger in das geweihte Wasser, um beim Eintreten das Kreuzzeichen zu machen.
Seit der Corona-Pandemie wurden in vielen Pfarreien neue, berührungslose Weihwasserautomaten eingeführt, Geräte, die auf Bewegung reagieren und das Wasser kontaktlos spenden. Diese modernen Formen wirken auf manche befremdlich, zeigen aber, wie auch liturgische Zeichen sich den praktischen und hygienischen Erfordernissen der Zeit anpassen können, ohne ihre tiefere Bedeutung zu verlieren.
Erinnerung an die Taufe
Wenn Gläubige beim Betreten der Kirche das Weihwasser nehmen und sich bekreuzigen, erinnern sie sich an ihre eigene Taufe. Das Wasser steht für Reinigung, neues Leben und die Zugehörigkeit zu Christus. Mit dem Zeichen des Kreuzes – Stirn, Brust, linke und rechte Schulter – wird der ganze Mensch unter den Schutz Gottes gestellt.
Es ist ein bewusstes „Eintreten“ in den heiligen Raum, ein Zeichen der Bereitschaft, Gott zu begegnen, Altes loszulassen und im Glauben erneuert zu werden. So verbindet dieses einfache Ritual den Alltag mit der Liturgie und die persönliche Frömmigkeit mit der Gemeinschaft der Kirche.
Biblische Bezüge
Das Symbol des Wassers zieht sich durch die ganze Bibel: Schon im Alten Testament wird Wasser als Zeichen der Reinigung und des Lebens verstanden, etwa in den rituellen Waschungen des Tempeldienstes (Ex 30,18–21). Johannes der Täufer taufte im Jordan zur Vergebung der Sünden und bereitete so den Weg für Christus (Mk 1,4–11).
In der frühen Kirche bezeugten die Kirchenväter, etwa Tertullian und Cyprian, die Verwendung von gesegnetem Wasser in Haus und Kirche. Die heutige Form des Weihwassers und des Kreuzzeichens beim Kircheneingang entwickelte sich im Lauf der ersten Jahrhunderte. Das Ritual ist vor allem in der katholischen und orthodoxen Kirche verbreitet, in ähnlicher Form aber auch in Teilen der anglikanischen und altkatholischen Tradition erhalten geblieben, als lebendiges Zeichen der Reinigung, Erinnerung und göttlichen Nähe.